Workshopreihe- Prävention von Gewaltdynamiken in Beziehungen

Entstehungskontext

Durch die enorme Zunahme der Frauenmorde in Österreich im Jahr 2019 ist die Idee einer Workshopreihe für junge Frauen und Mädchen enstanden, die Prävention in Hinsicht auf Beziehungen mit Gewaltdynamiken bieten soll.

Hierzu soll in einer aufeinander aufbauenden Workshopreihe intensiv zu den Themen ‘eigene Grenzen’, ‘Beziehungen’, ‘subtile Formen von Gewalt mit besonderem Schwerpunkt auf psychische Gewalt’ und ‘Techniken der körperlichen Verteidigung’ gearbeitet bzw. erlernt werden.

Ablauf

Es werden 6 aufeinanderfolgende dreistündige Workshops mit der gleichen Gruppe von Mädchen* und jungen Frauen* zwischen 12 und 25 Jahren abgehalten. In den Workshops wird mit verschiedenen interaktiven Methoden und Übungen und leicht erlernbaren Techniken gearbeitet.
Die Workshops als Workshopreihe zu gestalten ist uns wichtig, um mit der Gruppe einen gemeinsamen und kontinuierlichen Prozess gestalten zu können, der die Stärkung des eigenen Selbstwertes in einem vertrauensvollen Gruppenprozess ermöglicht.

Folgende Module sind Teil der Workshopreihe:

Modul 1 Körperwahrnehmung: In diesem Modul werden spezifische Übungen erlernt, die zum Thema “eigenen Körper spüren” und “achtsam mit dem eigenen Körper umgehen” beitragen.
Dabei soll es auch darum gehen, wie durch einen positiven Bezug zum eigenen Körper schneller Situationen erkannt werden können, die meine eigenen Grenzen überschreiten. Ziel ist es zu lernen, übergriffige Situationen und Gefahren abzuwehren, indem die eigene Wahrnehmung und der Bezug zum eigenen Körper gestärkt werden.

Modul 2 Selbstwert: In diesem Modul werden Übungen angeleitet die dazu beitragen, den eigenen Selbstwert zu stärken. Mangelndes Selbstbewusstsein und eine ständige Selbstabwertung führen dazu, dass eigene Bedürfnisse und Grenzen nicht ernst genommen werden. Dieses Modul zielt deshalb darauf, durch die Herstellung eines positiven Selbstwertes, sich stärker und sicherer
fühlen zu können und damit Gefahrensituationen rechtzeitig erkennen zu können.

Modul 3 Abgrenzung und Selbstverteidigung: In diesem Modul werden
Selbstverteidigungstechniken erlernt. Zentral ist dabei die Vermittlung, dass jede Person Ressourcen hat um sich wehren zu können. Insbesondere werden hier die Stimme und der Einsatz des eigenen Körpers erprobt. Ziel ist es, in akuten Gefahrensituationen Techniken zur Verfügung zu haben, um sich wehren zu können.

Modul 4 Gewalt: Im Modul “Gewalt” geht es um ein grundlegendes Verständnis davon, was Gewalt bedeutet. Hier werden Beispiele durchgegangen, bei denen die Teilnehmer*innen für sich herausfinden können, was sie als gewaltvoll wahrnehmen und was nicht. Es werden die verschiedenen Formen, Definitionen und Wirkungsweisen von Gewalt aufgezeigt mit dem Ziel, eine Sensibilisierung für übergriffige und gewaltvolle Situationen zu schaffen. Neben den bekannten
Formen von physischer, psychischer, sexueller und struktureller Gewalt wird hier auch auf das neuere Phänomen der Cybergewalt eingegangen und dazu gearbeitet, wie präventive Maßnahmen getroffen werden können.

Modul 5 Beziehungen: In diesem Modul werden die unterschiedlichen Dynamiken von gewaltvollen Beziehungen aufgezeigt. In praktischen Übungen wird ausprobiert, wie manipulative Techniken in Beziehungen dazu beitragen können, dass sich Frauen* und Mädchen* aus Angst und aufgrund von Einschüchterung nicht trennen. In diesem Zusammenhang werden auch die Themenbereiche Sexualität in intimen Beziehungen, Zustimmungskonzepte und Cybergewalt
thematisiert.

Modul 6 Solidarität und Helfer*innensystem: Im letzten Modul geht es darum, durch das Thema Solidarität mit anderen betroffenen Frauen* und Mädchen* eine Stärkung und Sensibilisierung herzustellen. DieTeilnehmenden sollen darin geschult werden zu erkennen, wenn sich Freund*innen in Gefahr befinden. Mit dem Ziel, die eigene Handlungs- und Unterstützungsfähigkeit zu spüren, werden Beispiele solidarischer Praxen vermittelt und Techniken solidarischen Handelns erprobt.
Das Gruppentraining bietet dabei die Möglichkeit, von den unterschiedlichen Fähigkeiten, Erfahrungen und Ideen der Teilnehmenden zu profitieren.
Wir legen Wert auf eine respektvolle Kursatmosphäre in der gegenseitige Unterstützung möglich ist.

Wir danken der MA57 für ihre Unterstützung der Durchführung der Workshopreihe 2019 und 2020 in den Institutionen Jugendcollege, PROSA-Schule für alle sowie WUK construct.