Leitbild

Der Verein für feministische Gewaltprävention und psychische Gesundheit orientiert sich an spezifischen Säulen der Gesundheitsförderung. Im Besonderen geht es darum die psychische Gesundheit der Workshopteilnehmer*innen zu stärken, um präventiv psychischer, physischer und sexueller Gewalt sowie Suizidalität entgegen zu wirken. Psychosoziale Aspekte sind daher den Workshops inhärent. Die Teilnehmer*innen werden darin geschult auf sich selbst zu achten, eigene Gefühle zu benennen/erkennen, Grenzen und Grenzüberschreitungen zu spüren sowie diese verteidigen zu lernen und Beziehungsfähigkeit zu erproben. Außerdem spielt die Stärkung des Selbstwerts eine wesentliche Rolle, um entgegen von Schamgefühlen ein selbstbewusstes Standing durch den Fokus auf eigene Ressourcen und Fähigkeiten sowie Methoden des body work zu fördern.

Die fachlichen Hintergründe für die Konzeptionierung der Workshops liegen in den Feldern Traumapädagogik, Wendo – feministischer Selbstverteidigung, psychotherapeutischen Methoden sowie sozialpädagogischen Ansätzen und Ansätzen der Sexuellen Bildung (Sexualpädagogik).

Traumapädgogik

Die Grundlagen der Traumapädagogik umfassen eine prinzipielle Haltung von Respekt, Verständnis und Bereitschaft zur Beziehung. Die “Pädagogik des Sicheren Ortes” steht hier an zentraler Stelle. Über kreativtherapeutische, Sport- und Bewegungsangeboten können hier für die Teilnehmer*innen andere Erfahrungswelten ermöglicht werden, die als “ganz normale Alltagserfahrungen” gelten.

Als weiteres zentrales Ziel der Traumapädagogik wird Selbstermächtigung gesehen. Dabei sind die Aspekte wie ‘im Leben (wieder) einen Sinn finden’, Psychoedukation, Körpergewahrsein und Körperfürsorge sowie Vertrauen in Beziehungen zu fassen von wesentlicher Bedeutung. Traumapädagogik ist in der Lage interventiv und präventiv Methoden anzubieten, die auf eine Stabilisierung und eine Ressourcenorientierung der Betroffenen abzielt. Verschiedene Methoden der Traumapädagogik fließen in der Workshopreihe besonders bei den Modulen Körperwahrnehmung, Selbstwert und Beziehungen sowie in den Grundlagenworkshops ein und bilden eine Basis unserer Haltung.

Wendo- feministische Selbstverteidigung

Das Ziel der Ermächtigung ist auch zentral in der feministischen Selbstverteidigung Wendo. Aus unterschiedlichen Kampfsportarten wurde ein Repertoire an Techniken zusammengestellt, die weder Muskelkraft noch regelmäßiges Training brauchen, um in Notsituationen angewendet zu werden. Diese Selbstverteidigungstechniken sind eingebettet in ein pädagogisches Konzept vor dem Hintergrund einer feministischen Gesellschaftsanalyse. Gemeinsam werden Handlungsstrategien für unterschiedlichste Situationen von Ungleichbehandlung, Übergriffen bis zu (sexualisierter) Gewalt entwickelt und ausprobiert. Dabei ist es wichtig auch über Verschränkungen von verschiedenen Diskriminierungen zu sprechen, wie etwa Sexismus, Rassismus, Trans-Feindlichkeit oder Diskriminierung aufgrund körperlicher Merkmale wie etwa Gewicht oder Behinderung.

Das Training basiert auf der Auseinandersetzung mit Geschlechterdifferenz, Geschlechterhierarchie, patriarchalen Strukturen und erlernten Geschlechterrollen. Die Möglichkeit der Einordnung der eigenen Rolle im historischen und gesellschatspolitischen Kontext kann den Teilnehmer*innen verhelfen, um die eigene Sozialisierung zu verstehen und sich in weiterer Folge davon zu befreien.

Daher wird Selbstwirksamkeit in den Workshops gefördert, da sie das Selbstwertgefühl von Frauen* und Mädchen stärkt. Sie werden dadurch ermutigt, ihre Rechte wahrzunehmen und Beziehungen einzugehen, in denen ihnen Achtung und Respekt entgegengebracht wird. Wendo dient somit der Gewaltprävention und dem Empowerment von Frauen und Mädchen*.

Sexuelle Bildung (Sexualpädagogik)

Die Ansätze der emanzipatorischen Sexuellen Bildung zielen darauf, allen Themen im Zusammenhang mit Sexualität, Körper, Beziehung, Liebe oder LGBTIQ*-Themen Raum zu geben. Dabei geht es einerseits darum, “klassische Informationen” über Verhütung, Schwangerschaft oder sexuell übertragbare Infektionen zu vermitteln. Andererseits verstehen sich die Ansätze der emanzipatorischen Sexuellen Bildung als wichtiger Baustein von Gewaltprävention, indem folgende Themen zentral sind: Was bedeutet Freiwilligkeit im Zusammenhang mit Sexualität? Wie kann ich Grenzen erkennen und setzten? Wie kann ich über meinen Körper selbst bestimmen? Und welche
Worte habe ich zur Verfügung über mich und meinen Körper zu sprechen?

Ziele und Visionen

Mädchen*, Frauen*, Trans*- und Inter*personen sind in einer historisch gewachsenen patriarchalen Gesellschaft physischer, psychischer und sexueller Gewalt ausgesetzt, die bis zur Ermordung führen kann, die häufig im Kontext einer Beziehungstat steht.

Laut der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte zu geschlechtsspezifischer Gewalt erfährt jede fünfte Frau* körperliche und/oder sexuelle Gewalt. Jede dritte Frau* wird ab ihrem 15. Lebensjahr sexuell belästigt. (vgl. https://www.aoef.at/index.php/zahlen-und-daten)

In der empirischen Untersuchung „Psychische Gewalt gegen Frauen“ (2014) von den Wiener Frauenhäusern wird aufgezeigt, was psychische Gewalt in Beziehungen bedeutet und welche Auswirkungen und Dimensionen diese u.a. auch auf gesundheitlicher Ebene hat. Folgen von psychischer Gewalt können Alkohol- und Drogenmissbrauch, Depressionen und Angststörungen, Schlaf- und Essstörungen, Scham- und Schuldgefühle, Phobien und Panikattacken, körperliche Inaktivität, schwaches Selbstwertgefühl, posttraumatische Belastungsstörungen, psychosomatische Störungen, Rauchen, Selbstmordabsichten und selbstverletzendes Verhalten sowie gefährdetes Sexualverhalten sein. (Vgl. Psychische Gewalt. Eine empirische Untersuchung. III Gesundheitliche Folgen, S. 20, 2014)

In einem Interview thematisiert Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Frauenhäuser Österreich, dass mehr über „die Warnzeichen“ geredet werden müsse: „Ist es normal, wenn er mich kontrolliert, wenn er mir auflauert? Gehört das noch zu einer Beziehung? […] Es geht also um die Frage, wie man den Beginn von Gewalt erkennt, etwa wenn er die Meinung seiner Partnerin nicht akzeptiert und jedes Mal ausrastet.“ (vgl. Artikel Gewaltschutzexpertin: Hemmschwelle wird immer niedriger, Der Standard, 16.1.2019)

Die Arbeit des Vereins Prevent kann also in den wichtigen Bereich der Präventionsarbeit der Gewaltschutzarbeit eingeordnet werden. Von Beginn an werden gewaltfreie Beziehungen, das Erlernen von wertschätzender Kommunikation, respektvoller Umgang, Hinterfragen von Rollenklischees und patriarchalen Strukturen und die Ermächtigung eines jeden Individuums frei zu sein und den eigenen Zielen und Werten nachzugehen gefördert.

Unsere Vison ist ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben für Mädchen*, Frauen*, Trans*- und Inter*personen zu ermöglichen. Dazu wird in den Workshops mit den oben ausgeführten diversen Methoden und Ansätzen intensiv gearbeitet um so einen Beitrag zum Präventionsbereich der Gewaltschutzarbeit zu leisten.